Dienstag, 15. Januar 2008

Blog ohne Grund

Für's neue Jahr hatte ich mir vorgenommen, wieder mehr zu schreiben. Aber das hier ist gerade das erste, kreative Werk 2008. Wenn man es denn überhaupt als kreativ bezeichnen kann. Denn: Ich blogge ohne Grund. Aber das ist ok, das tun viele Menschen. Sie merken's nur nicht. Als wenn es irgendwen interessieren würde, was irgendwer anders am anderen Ende der Stadt, des Landes oder der Welt schreibt. Das ist in etwa genau so spannend wie die neue Staffel der Urwaldanstalt oder diese herrlich-bescheuerte Löffelbieger-Sendung. Oder eine Mischung aus beidem!

Oh, kurz jubeln bitte:
- in zwei Wochen: Jimmy Eat World live
- Mitte Februar: The Casting Out live
- im April: neues Kettcar-Album

Ist es nicht seltsam, dass man die nähere Zukunft hauptsächlich anhand von Musik einordnet und sortiert? Es ist übrigens gerade bereits das vierte oder fünfte Lied komplett durchgelaufen, während ich das hier schreibe. Die Frage ist nun: Waren die Lieder so kurz oder tippe ich so langsam? Oh, nein, ich weiß die Antwort. Ich mache ständig irgendeinen anderen Quatsch nebenbei. Lese Songtexte, wähle doch lieber einen anderen Song aus oder betreibe Luft-Posing. Ihr wisst schon: große Gesten, Fäuste zum Himmel und so tun, als würde man dabei singen. Und jetzt alle: "spitting lies, just to find... there's a reason why we're never satisfied. from the long walk home, to the reasons why we go to bed alone".

Spitzenmäßige Idee, übrigens. Gute Nacht.

Man lässt nie los, was man liebt, war, ist, bleibt: immer Musik.

Dienstag, 1. Januar 2008

Ach ja, 2007...

...was ich Dir noch sagen wollte:

Fuck you!

Frohes Neues.

"So this is the new year
And I don't feel any different
The clanking of crystal
Explosions off in the distance

So this is the new year
And I have no resolutions
For self-assigned penance
For problems with easy solutions"
(Death Cab For Cutie - The New Year)

Sonntag, 23. Dezember 2007

Didn't mean to leave you hanging on.

Stell dir nur mal vor es ist Weihnachten und keine Sau interessiert sich dafür. Keine Weihnachtsdeko, keine Weihnachtslieder, keine Weihnachtsstimmung. Ein Tag wie jeder andere auch. Genau so fühlte ich mich, als ich eben in der Küche stand und mir irgendwie erhoffte, dass bei dem Gedanken an Heiligabend eine Art kribbeln einsetzen würde.

"Cold wind blows on the soles of my feet
Heaven knows nothing of me
I'm lost, nowhere to go
Oh, when I was a kid
Oh, how magic it seemed
Oh, please let me sleep,
it's Christmas time"
(Pearl Jam - Let Me Sleep)

Frohe Weihnachten. Oder das, was man sich darunter vorstellt.

Sonntag, 16. Dezember 2007

Von Masken und Hüten

Die größten Komiker der Welt-Geschichte waren außerhalb der Bühne ganz traurige Menschen. Sagt man zumindest. Doch sobald sie vor einer nach Unterhaltung gierenden Menschenmenge standen, setzten sie eine Maske auf. Die Maske der guten Laune. Natürlich: Jeder Mensch setzt sie hin und wieder mal auf, doch bei den meisten Benutzern fällt das gar nicht auf. Weil sie den Umgang mit der Maske schon so gut beherrschen, dass sie selbst kaum noch wissen, was jetzt echt ist und was nicht. Zum reinen Selbstschutz. Klar. Das ist so ähnlich wie mit Hüten: Im Endeffekt setzt man sie nur auf, weil man etwas zu verbergen hat. Einen dicken Schädel, eine beschissene Frisur oder sonstige absolut alberne Unzulänglichkeiten. Und irgendwie glaubt man, dass es nicht weiter tragisch ist, wenn man Hüte trägt. Oder Masken. Nur leider stumpft man innerlich immer mehr ab und irgendwann trägt man den Hut oder die Maske nur noch, weil man nichts anderes mehr gewohnt ist. Und das, was wirklich zählt, bleibt im Verborgenen und nutzt die Zeit des Nichterkanntwerdens dazu, sich wie ein Geschwür auszubreiten und negativ in alle Richtungen zu strahlen. Eines Tages hat die Maske dann Risse und bricht. Einige Fäden lösen sich aus der Hutnaht. Und man erkennt, wohin Schauspielerei führt.

Montag, 26. November 2007

Everchanging

Ich stelle ganz flugs zwei Dinge fest:

1) Fremdschämen ist wirklich eklig. Und warum? Weil man insgeheim weiß, dass andere Menschen sich auch für unsereins fremdschämen. Dem Freak, den man eben noch belächelte, ist man bei genauerer Überlegung nämlich viel ähnlicher als angenommen. Alles, was man selbst als "Macke" ansieht, ist für Manche so unglaublich peinlich, dass sie sich deswegen vor die nächste Straßenbahn werfen würden. Na, gerade mal wieder am Fingernagel gekaut? Oder in der Nase gebohrt? Blödes Gesicht in einer unpassenden Situation gemacht? Seltendämliches Lachen vom Stapel gelassen? Ja? Ich auch. Alles zusammen.
2) Weihnachten nervt. Ist irgendwem aufgefallen, dass pünktlich ab Mitte November die Werbung für Spendenaktionen VOLL durchstartet? Jaja, "Fest der Liebe" und so. Sicher. Ich nenne es lieber gräßliche Instrumentalisierung. Was hindert die vom Grundgedanken her sicherlich ganz schönen Spendenaktionen eigentlich daran, nicht regelmäßig über's Jahr verteilt zu laufen? Wenn sich alle auf's Jahresende fokussieren, graben sie sich außerdem auch gegenseitig das Wasser ab [an dieser Stelle bitte eine Landschaftsaufnahme eines vertrockneten Landstrichs in Afrika vorstellen]. Ach ja: Unglaublich pathetisch sind sie auch noch. Komisch, dass ich nicht drauf reinfalle.

Donnerstag, 1. November 2007

"If I wasn't married, I'd fuck everyone here!"

Dave Grohl ist ein Tier. Sein Körper besteht vermutlich zu 80% aus Haaren. Im Gesicht, auf dem Kopf, unter den Armen, auf der Brust, auf dem Rücken, zwischen... Ach, ist gut jetzt. Jedenfalls schüttelt er diese Haare dann, während er gleichzeitig mehrere tausend Menschen anbrüllt und auf eine zumeist elektronisch verstärkte Gitarre einschlägt. Willkommen zu einem Foo Fighters-Konzert.

Genauer gesagt, willkommen zum Foo Fighters-Konzert in der Arena Oberhausen am vergangenen Sonntag. Ich möchte jetzt nicht über lange Menschenschlangen vor den Eingängen sprechen, die dazu führten, dass wir schätzungsweise drei Minuten zu spät die Halle betraten, um noch VOR dem Wellenbrecher zu landen.

Ich möchte stattdessen erzählen, wie es so war, im Angesicht des Allmächtigen. Die Vorband waren die Sportfreunde Stiller und sie hätten sich keinen schlechteren Abend aussuchen können, um ein Konzert zu eröffnen. Ehrlich, es ist mir egal, dass es "unwichtig" ist, dass der Sänger nicht singen kann. Es ist mir auch verdammt noch mal egal, ob es "sympathisch" ist, dass die drei Sportfreunde ihre Instrumente nicht besser beherrschen als ich es kann. Es ist mir ferner sogar egal, dass ich die alten Stücke der Band an sich ganz gern hab. Aber sehen wir es doch mal so: Wenn ich in ein Edelrestaurant gehe, dann möchte ich ja auch nicht ein trockenes Brötchen als Vorspeise. Alles klar?

Gut. Dann direkt zum nächsten Punkt: Licht aus, Foo Fighters da, zwei Stundern sabbern an. Nie war eine Band dieser Größenordnung freundlicher zum Publikum. Nicht nur, dass Hit an Hit gereiht wurde (und verdammt, davon gibt's so Einige!), sondern auch das Zwischenmenschliche stimmte. Würde die Band nicht stets von einer Gruppe Securities begleitet, dann könnte man problemlos ein bis sieben Bier mit ihnen trinken gehen. Oder einen Spaziergang am See machen, um die Enten zu füttern. Ach ja...
Trotz der fehlenden persönlichen, körperlichen Nähe war es zumindest äußerst wunderbar anzuschauen, wie Dave Grohl - ich glaube es war während "Breakout" - die Tribüne erklomm und sich zwischen all den Glücklichen ein Gitarren-Duell mit Gitarrist Chris Shiflett lieferte. Und wie er dann vor dem letzten Song ("Best Of You") ein Bier für "three Marks" bestellte und es gleich wegexte, ja, das war dann wiederum irgendwie naiv und totaler Rock'n'Roll zugleich.
Was bleibt zu der Musik zu sagen? Ich würde einer Bewertung nicht gerecht werden. Deshalb präsentiere ich... die Setlist:

The Pretender • DOA • Times Like These • Cheer Up, Boys (Your Make Up Is Running) • I'll Stick Around • Long Road To Ruin • Breakout • Learn To Fly • The One • Stacked Actors • Skin And Bones • My Hero • See You • Everlong • Monkey Wrench • All My Life • In Your Honor • No Way Back • Aurora • Best Of You

Ich schrie, ich sang, ich drückte die Leute um mich herum zur Seite. Der Name dieses Blogs ist Programm: Ich kann diese Gefühle nicht niederschreiben, ich kann sie nicht besser ausdrücken. Sie verweilen einzig in meinen Erinnerungen. Und dort bekommen sie einen Ehrenplatz.

Jan Wigger liebt ja doch nur Radiohead

Morgen ist es genau zwei Wochen her, dass das neue Jimmy Eat World-Album "Chase This Light" in Deutschland erschienen ist. Und was wurde nicht alles darüber geschrieben...! "Emo-Schlager" nannte Jan Wigger es und in diversen Foren wurde gestritten, ob das nicht alles viel zu poppig sei. Ich sage: Ach, leckt mich!

Natürlich besteht die Platte aus ingesamt mehr als 40 Minuten Hintergrund-Chören. Und natürlich ist man von den Vieren eigentlich mehr gewohnt als "Verse, Chorus, Verse, Chorus, Bridge, Chorus". Doch das stört höchstens solange, bis man sie entdeckt - die großen Momente und die schönen Zeilen. Ich breche übrigens in hysterisches Lachen aus, sollte sich jemand erdreisten und behaupten, dass die Texte 08/15-Emo-College-Scheiße sind. Ernsthaft: Jim Adkins mag zwar kein Poet sein, der mit seinen Worte abstrakte Welten erschafft, aber im Gegensatz zu all seinen Genre-Kollegen gelingt es ihm immer wieder, die Dinge, die irgendwie was mit dem menschlichen Miteinander zu tun hat, präzise, gefühlvoll und unpeinlich auf den Punkt zu bringen. Wobei ich den Begriff "gefühlvoll" schon jetzt anfange zu hassen, je mehr ich darüber nachdenke.

Wenn es Schwachpunkte gibt, dann tragen sie die Namen "Feeling Lucky" und "Here It Goes". Denn man ehrlich: Pop hin oder her, aber irgendwann ist auch mal gut und Avril Lavigne gehört aus dem Studio geschmissen. Aber das hätte eigentlich schon seit "The Authority Song" vom 2001er-Album "Bleed American" klar sein müssen. "Electable (Give It Up)" hingegen ist an sich ein schicker, nach vorne preschender Song, der live sicherlich Spaß macht. Aber warum besteht der Refrain zu 90% aus "Oh oh oh"? Hier übrigens noch eine kleine Geschichte, die ich lustig fand: Im offiziellen Forum der Band schrieb ein User, dass die Zeilen "Talking points from talking heads with automative smiles / There's no higher ground to stand than bottom of the pile / Give up acting unaware, you can't ignore the crime / The enemy is you as well, the enemy is I" auch aus dem Tagebuch des 12-jährigen Billie Joe Armstrong stammen könnten. Hm. Ja. Aber da stört's doch auch Niemanden.

Und solange Jimmy Eat World immer noch Songs wie "Let It Happen", "Carry You" (näher als in der Bridge dieses Songs war die Band seit der (zurecht!) gefeierten "Clarity" eben jenem Meisterwerk nie mehr), "Chase This Light" und "Dizzy" zustande bekommen, kann ich ihnen gar nicht böse sein. Denn egal wie trostlos der Tag war, und egal welche Abgründe in den Texten des Albums an sich zu finden sind, ich komme einfach nicht umhin, nach jedem Hören ein gutes Gefühl zu haben. Man möge mir lediglich noch erklären, warum "Be Sensible" es lediglich als Bonus Track auf das Album geschafft hat.

Jimmy Eat World sind letztlich wie ein guter Freund. Sie haben Macken, sie haben Fehler. Sie machen Dinge, die man ohne groß zu überlegen als "dumm" bezeichnen würde. Aber wenn es darauf ankommt, sind sie für einen da. Und jetzt wird's echt zu gefühlvoll.